Foto Di., 18.Aug.2026 -19:08
Verbrannte Erde – wenn der Rauch herunterkommt August 2026 · Fortsetzung 18. August 2026
Eigentlich geht die Sonne hier erst deutlich später unter.
Trotzdem liegt über dem Wald schon jetzt ein gelblich-grauer Schleier. Es nieselt. Der Himmel wirkt ungewöhnlich dunkel, nicht wie bei einem normalen Sommerregen. Dazu dieser Geruch.
Beißend. Schwer. Unangenehm.
So stark, dass ich die Fenster geschlossen habe.
Ich habe sehr feine Sinne.
Das ist kein Messgerät. Und ich werde aus meiner Nase auch keines machen.
Aber ich kann beschreiben, was ich sehe und rieche.
Und was ich hier rieche, riecht für mich ausgesprochen ungesund.
Das Foto über diesem Text ist genau in diesem Moment entstanden.
Kurz nach 19 Uhr.
Nieselregen.
Gelblich-grauer Himmel.
Deutlich wahrnehmbarer Brandgeruch.
Das Feuer im Hohen Venn liegt viele Kilometer entfernt.
Der Rauch nicht.
Das ist zunächst einmal einfache Physik.
Bei einem großen Brand steigt warme Luft auf. Mit ihr steigen Rauch, Gase und sehr kleine Partikel. Je nach Wetterlage gelangen sie in höhere Luftschichten. Dort übernimmt der Wind und transportiert die Rauchfahne weiter.
Genau das ist beim Brand im Hohen Venn dokumentiert. Belgische Messstationen registrierten auf großen Teilen Walloniens erhöhte Konzentrationen von Feinstaub und Black Carbon. Brandgeruch und Rauchschleier waren noch viele Dutzend Kilometer vom eigentlichen Brandgebiet entfernt feststellbar.
Der Rauch bleibt also nicht über dem Moor stehen.
Er reist.
Und jetzt kommt Regen.
Der Regen wäscht die Luft
Das klingt zunächst beruhigend.
Der Rauch wird weniger. Die Luft wird klarer.
Nur bedeutet „aus der Luft gewaschen“ nicht: verschwunden.
Regentropfen können Gase und winzige Schwebeteilchen aus der Atmosphäre aufnehmen. Das geschieht teilweise schon in den Wolken und noch einmal, wenn Niederschlag durch belastete Luft fällt.
In der Wissenschaft heißt dieser Vorgang nasse Deposition.
Oder einfacher:
Der Regen holt einen Teil dessen herunter, was der Wind vorher weitergetragen hat.
Und dann landet es unten.
Auf Blättern.
Auf Wiesen.
Auf Waldböden.
In Pfützen.
In Gräben.
In Bächen und Teichen.
Und genau deshalb reicht die Frage nicht mehr:
Hilft der Regen beim Löschen?
„Der Katastrophenschutz warnt vor dem Rauch. Er empfiehlt geschlossene Fenster und abgeschaltete Lüftungen. Was bislang öffentlich fehlt, sind belastbare Daten darüber, was der jetzige Niederschlag aus dieser belasteten Luft auswäscht.“
Quellen und aktueller Informationsstand
Stand: 18. August 2026, abends
Landesamt für Brand- und Katastrophenschutz Rheinland-Pfalz (LfBK)
Das LfBK bestätigt, dass Rauch aus den Bränden in Nordrhein-Westfalen und Belgien über weite Strecken nach Rheinland-Pfalz transportiert wird. Besonders der Norden des Landes ist betroffen; abhängig von Windrichtung und Wetterlage kann der Rauch aber auch in anderen Landesteilen wahrnehmbar sein. Empfohlen wird, Fenster und Türen geschlossen zu halten sowie Lüftungs- und Klimaanlagen vorübergehend abzuschalten. Auch empfindliche Haustiere sollen bei wahrnehmbarem Rauch möglichst in geschlossenen Räumen bleiben. Die Meldung wird als „Gefahreninformation“ geführt und enthält zugleich die Formulierung „Es besteht keine Gefahr“.
Offizielle Gefahreninformation des LfBK Rheinland-Pfalz
Belgische Luftüberwachung IRCEL/CELINE – Feinstaub und Black Carbon
Belgische Messstationen registrierten im Zusammenhang mit den Bränden im Hohen Venn erhöhte Konzentrationen von Feinstaub und Black Carbon auf großen Teilen Walloniens. IRCEL/CELINE führt diese Belastung ausdrücklich auf die Rauchfahne aus dem Hohen Venn zurück. Je nach Wetterlage und Windrichtung können Brandgeruch und Rauchschleier noch mehrere Dutzend Kilometer vom Brand entfernt auftreten.
IRCEL/CELINE: Erhöhte Feinstaub- und Black-Carbon-Konzentrationen
In einer weiteren aktuellen Auswertung meldet IRCEL/CELINE an einzelnen wallonischen Messstationen sehr hohe PM2,5-Spitzen; in Vielsalm wurden punktuell Werte um 700 µg/m³ registriert, weitere Stationen lagen zeitweise zwischen etwa 100 und 230 µg/m³.
IRCEL/CELINE: Auswirkungen des Vennbrandes auf die Luftqualität
Wallonische Regierung – aktueller Stand des Brandes
Die Wallonie meldete am 18. August, dass das Feuer weitgehend kanalisiert sei, im nordöstlichen Bereich des Hohen Venns jedoch weiterhin Probleme bestünden. Zugleich wurden weitere Schauer beziehungsweise Niederschläge angekündigt.
Wallonie: Aktuelle Lage zum Brand im Hohen Venn
Luxemburg – behördenübergreifende Bewertung
Die luxemburgische Regierung hat eine interministerielle Bewertungsgruppe eingesetzt, die die möglichen Auswirkungen des Feuers im Hohen Venn auf Luxemburg verfolgt. Dabei werden ausdrücklich Wetterlage und Windrichtung berücksichtigt, weil sie für die Verfrachtung von Rauch und Partikeln entscheidend sind.
Luxemburgische Regierung: Bewertung der Auswirkungen des Vennbrandes
WHO – Black Carbon und gesundheitliche Auswirkungen
Die WHO beschreibt Black Carbon als wichtigen Bestandteil von PM2,5, der unter anderem bei unvollständiger Verbrennung von Biomasse und bei Waldbränden entsteht. Kurz- und langfristige Exposition gegenüber Black Carbon wird mit Herz-Kreislauf-Auswirkungen und vorzeitiger Sterblichkeit in Verbindung gebracht.
WHO: Black Carbon und andere Luftschadstoffe
Die WHO weist außerdem generell auf die gesundheitlichen Folgen von Feinstaub hin; Black Carbon gehört zu den typischen Bestandteilen von Particulate Matter.
WHO: Ambient Air Pollution and Health
FOCUS Online – Rauch kann Herz, Lunge und weitere Organe belasten
FOCUS Online berichtete am 17. August unter der Überschrift „Auch weit entfernt vom Feuer: Rauch kann alle Organe treffen“. Der Bericht verweist darauf, dass sehr kleine Feinstaubpartikel tief in die Lunge und teilweise bis in den Blutkreislauf gelangen können. Genannt werden unter anderem Husten, Augen- und Halsreizungen, Atemnot sowie mögliche Herz-Kreislauf-Auswirkungen. Der Beitrag weist zudem darauf hin, dass sich Waldbrandrauch über weite Regionen ausbreiten kann.
FOCUS Online: Waldbrandrauch kann Herz, Lunge und Gehirn schädigen
Interessant für deinen Text: FOCUS verweist dort auch ausdrücklich darauf, dass Regenwasser in Tonnen oder Zisternen durch Asche verunreinigt sein kann und für die Bewässerung dann besser nicht verwendet werden sollte. Haustiere sollen möglichst drinnen bleiben; Futter und Trinkwasser sollen nicht mit Asche in Kontakt kommen.
Regen und Rauch – nasse Deposition
Die US-Umweltbehörde EPA beschreibt die sogenannte wet deposition – nasse Deposition als Entfernung atmosphärischer Gase und Aerosole durch Niederschlag. Dazu gehören sowohl das Auswaschen innerhalb der Wolken als auch das Einsammeln von Gasen und Partikeln durch fallenden Regen. Gerade kleine Aerosole unter 2,5 Mikrometern können auf diesem Weg besonders effektiv aus der Atmosphäre entfernt werden. Sie gelangen anschließend auf Landflächen und in Oberflächengewässer.
EPA: Wet Deposition – Entfernung von Aerosolen und Gasen durch Regen
Vereinfacht:
Der Wind trägt Rauch und Partikel weiter. Der Regen kann einen Teil davon aus der Luft holen und wieder auf Böden, Pflanzen und Gewässer bringen.
Nichtamtliche Regenanalyse aus Bonn
Der Wetteranbieter Donnerwetter veröffentlichte am 18. August eine Untersuchung von Niederschlagsproben aus Bonn. Angegeben werden eine erhöhte elektrische Leitfähigkeit von etwa 200 bis 300 µS/cm sowie eine Schwermetallkonzentration von 0,3 bis 0,5 mg/l; insbesondere wird nach Angaben des Anbieters Quecksilber nachgewiesen.
Donnerwetter: „Giftiger Rauchregen über dem Westen“
Wichtig: Diese Untersuchung ist keine amtliche flächendeckende Messreihe. Daraus lässt sich nicht ableiten, dass der gesamte Niederschlag in NRW oder Rheinland-Pfalz entsprechend belastet ist. Die Messung begründet aber die Frage nach amtlichen und systematischen Regenwasseranalysen.
Haustiere – EPA
Die EPA weist darauf hin, dass Rauch auch bei Haustieren Augen und Atemwege reizen kann. Besonders empfindlich sind ältere, sehr junge oder trächtige Tiere sowie Tiere mit Herz- oder Lungenerkrankungen. Die Exposition sollte während starker Rauchbelastung möglichst reduziert werden.
EPA: Protect Your Pets from Wildfire Smoke
Pferde, Rinder, Schafe und andere Nutztiere – EPA
Auch Groß- und Nutztiere können durch Waldbrandrauch belastet werden. Die EPA empfiehlt, körperliche Belastung zu reduzieren und ausreichend sauberes Wasser bereitzustellen.
EPA: Protect Your Large Animals and Livestock From Wildfire Smoke
Was derzeit noch offen ist
Stand 18. August 2026, abends finde ich weiterhin keine öffentlich zugängliche amtliche Messreihe aus Rheinland-Pfalz, NRW oder der Wallonie, die den jetzt fallenden Niederschlag systematisch auf mögliche Bestandteile des Brandrauchs wie Quecksilber, Blei, Cadmium, Arsen oder weitere Verbrennungsprodukte untersucht.
Eine entsprechende Anfrage zu Luft-, Niederschlags-, Boden- und Gewässermessungen wurde am 18. August 2026 an das Landesamt für Brand- und Katastrophenschutz Rheinland-Pfalz gestellt.